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Sprachatlas des Dolomitenladinischen und angrenzender Dialekte, 1. Teil

Das Teilprojekt  ALD-I wurde im Jahr 1985 begonnen und im Jahr 1998 mit der Publikation von 7 Bänden und 3 CD-ROM abgeschlossen. Auf den 884 publizierten Sprachkarten werden vornehmlich Themen der Lautlehre sowie der elementaren nominalen und verbalen Morphologie behandelt. Über die 806 Fragen des Questionnaires des ALD-I sollten nicht nur erbwörtlich entwickelte Materialien, sondern auch jüngere und deutlich „gelehrt“ (d.h. lateinisch und/oder italienisch) beeinflusste Lexeme elizitiert werden, um solcherart auch die sekundäre Wirksamkeit der örtlichen Lautgesetze bzw. -trends studieren zu können (siehe dazu die ALD-I-Karten 180 il comune / i comuni, 360 il giudice, 382 l'inferno, 401 la legge etc.). Die extensive Behandlung der elaborierten Morphologie, der Syntax und des Lexikons erfolgte im Rahmen des zwischen 1999 und 2012 realisierten zweiten Projektabschnitts (ALD-II).

Theoretische Grundkonzeption

Hinsichtlich des Forschungsziels und angewandten Methode stehen sowohl der ALD-I als auch der ALD-II zur Gänze in der Tradition der von Jules Gilliéron (1854-1926) mit dem ALF begründeten und von Karl Jaberg (1877-1958) und Jakob Jud (1882-1952) über den AIS fortgeführten Tradition der klassischen romanischen Sprachgeographie. Somit dient der ALD der Erhebung und Dokumentation der dia- bzw. basilektalen Kompetenzen von prinzipiell mehrsprachigen Gewährsleuten, die in den 217 Messpunkten des Untersuchungsgebietes ihren Lebensmittelpunkt haben bzw. sich dort „heimisch“ fühlen. Dabei wird unterstellt, dass dieselben Sprecher den von ihnen bewohnten Raum über ein komplexes Wechselspiel von dialektalen Kon- und Divergenzen in sprachlicher Hinsicht „bewirtschaften“. Die im Rahmen der beiden Teile des Projekts ALD gesammelten Sprachdaten erlauben es, die „basilektale Bewirtschaftung“ des Raumes der ALD-Zone näher kennen zu lernen bzw. qualitativ und quantitativ zu untersuchen. Zugleich stellen die aufeinander aufbauenden Projektteile ALD-I und der ALD-II - analog zum Verhältnis zwischen dem französischen Nationalatlas ALF und den diversen französischen Regionalatlanten (NALF) – eine kleinräumige (und feinmaschige) Nachuntersuchung zu den großräumigen (und weitmaschigen) italienischen Nationalatlanten AIS und ALI dar.

Erhebungsmethode

  • Direkte Exploration im Feld durch linguistisch geschulte Dialektologen
  • sofortige Transkription der nach dem Dafürhalten der Gewährsleute als „dialektal“ dargebotenen Antworten, parallele Tondokumentation für spätere Überprüfungs- und Archivierungszwecke
  • zweimaliges Abfragen des Fragebuchs: d.h. in jeder explorierten Ortschaft bei mindestens zwei Informanten, die voneinander in zwei der folgenden fünf sozialen Variblen differieren mussten: Alter, Beruf, Geschlecht, Religion, Bildung
  • Photodokumentation („Ethnophotographie“)

Untersuchungsnetz

Nordostoberitalien und Südostschweiz; Gesamtfläche: rund 25.000 km2; abgedeckt durch 217 Messpunkte; mittlere Entfernung zwischen den Messpunkten: rund 10 km. Einbezogene Regionen bzw. Provinzen (von West nach Ost): Ober- und Unterengadin, Westlombardei, brixnerisch-tirolische Ladinia (bestehend aus den ladinophone Teilen Südtirols, des Trentino und des Veneto), Trentino, nördliches und mittleres Veneto, westliches Friaul. Siehe dazu die beiliegende Karte.